Filmschnitt I
Schnitt:
Der Schnitt ist eine der Disziplinen des Filmemachens, die sich dadurch auszeichnen, dass sie den meisten Zuschauern nicht auffallen. Tatsächlich dient die Arbeit des Filmeditors oder Cutters in vielen Fällen dem Film dann am besten, wenn ihre Wirkung nicht bewusst wahrgenommen wird. Gerade dies trägt sehr viel zur Illusion des Zuschauers bei, dem Geschehen unmittelbar beizuwohnen, vielleicht sogar mitten drin zu sein. Im Gegensatz dazu können ungeschickte oder gewollt auffällige Schnitte diese Illusion sehr schnell stören, und das Publikum aus seiner Identifikation mit den handelnden Figuren herausreißen.
In diesen 5 Tagen setzen sich die Studenten anhand von Filmbeispielen und Schnittübungen mit den technischen und dramaturgischen Grundlagen des Schnitts, seinen Möglichkeiten und Schwierigkeiten auseinander und üben dabei gleichzeitig die Bedienung eines Avid-Schnittplatzes.
Schnitt I: Montagetheorien / Basiswissen Avid
Im Schnitt werden die gedrehten Bilder in eine sinnvolle Reihenfolge, die Geschichte in eine zusammenhängende Form gebracht. Es geht dabei aber um mehr als nur um das chronologische Ordnen von Geschehnissen. Durch die Art und Weise, wie Bilder aufeinanderfolgen, kann ihre Bedeutung verstärkt, betont oder verändert werden. Im Wechsel der Bilder entstehen mitunter sogar Bedeutungen, die innerhalb der Bilder selbst noch nicht zu erkennen waren. Aber wie funktioniert das? Und wieso werden Schnitte überhaupt intuitiv verstanden, auch wenn sie bewusst oft gar nicht wahrgenommen werden? Dieses Seminar befasst sich mit den wahrnehmungspsychologischen Prinzipien, die das Verstehen von Schnitten überhaupt erst möglich machen. Anhand von Beispielen werden traditionelle Montagetheorien behandelt. In ersten Übungen lernen die Studenten die Grundfunktionen des Avid Schnittsystems kennen, an dem sie die Übungen der nächsten Wochenenden schneiden werden.
Dramaturgischer Schnitt I / Dialogschnitt
Dialogschnitt bedeutet mehr, als Menschen beim Sprechen zu zeigen. In den meisten Gesprächen geht es nicht nur um das, was gesagt wird, sondern auch um das Wie, das Wann und um vieles mehr. Entsprechend ist auch in Dialogen der Subtext, also das was “zwischen den Zeilen” oder nonverbal kommuniziert wird, oft genauso wichtig oder sogar noch wichtiger als der eigentliche Text. Beim Schnitt von Dialogen müssen deshalb viele Punkte beachtet werden. Welche Atmosphäre herrscht zum Beispiel. Welcher Tonfall? Wie reagieren Personen aufeinander und auf das, was gesagt wird? Was sagen ihre Blicke? Suchen sie den Blick des anderen, halten sie ihn, weichen sie ihm aus?
Auch das Timing von Reaktionen kann dem Publikum sehr viel über das Innenleben einer Figur sagen, auch wenn es nicht explizit ausgesprochen wird. Lassen die Figuren einander zum Beispiel ausreden oder unterbrechen sie sich, kommen Sätze Schlag auf Schlag oder gibt es lange, vielleicht sogar unangenehm lange Sprechpausen?
Stehen dem Cutter verschiedene Einstellungen eines Dialogs zur Verfügung, ergeben sich daraus eine Vielzahl von Möglichkeiten, all diese Aspekte gezielt zu beeinflussen. Ziel dieses Seminars ist es, anhand von Beispielen und eigenen Schnitten diese unterschiedlichen Möglichkeiten bewusst sehen und beurteilen zu lernen, und das eigene Rhythmusgefühl und die intuitive Wahrnehmung von Subtext zu schulen.
